Segensreich ist die Winterzeit, wenn der Regen fällt und die Wiesen verzaubert in farbenfrohe Leintücher, welche die von Sonne und Hitze ausgemergelte Erde sanft umschmeicheln. Totgelaubte Bäche auferstehen in ihren plätschernden Liedern und streben unablässig danach, das Leben in ein grünes, wogendes Meer der Erneuerung zu verwandeln.
Dies, liebe Leser, ist eine sehr romantische Darstellung dieser „Zeit der Regeneration“ und nicht immer vermögen wir bei Kälte und Dauerregen den grauen Nebelschleier zu durchbrechen und unseren Blick auf das Positive zu lenken. Unser Mantra, dass der Regen ja schliesslich „das Beste für die Natur“ sei, bricht zwar nicht ab, doch allenthalben können wir einen zynischen Unterton nicht aussen vor lassen.

Es ist der dritte Winter, den wir hier erleben und wir erfreuen uns mittlerweile über weit mehr Komfort als noch zu Beginn. Immerhin verfügen wir bei Sonnenschein über fliessend warmes Wasser und der Holzkachelofen verhindert auch an ganz kalten Tagen, dass wir frieren müssen. Aber unser Leben konzentriert sich dann noch immer auf diesen einen bewohnbaren ca. 20 Quadratmeter grossen Raum, welcher als Küche, Ess-, Wohn-, und Schlafzimmer dient.
Nun aber beginnt das Dach undicht zu werden, was sich bei den heftigen Niederschlägen vor ein paar Wochen durch leises, stetiges Tropfen bemerkbar gemacht hatte… und das sprichwörtliche Fass zum überlaufen gebracht hat. Nach ein paar Telefonaten und Diskussionen mit Herrn João, unserem Fachmann, war klar: Im kommenden Sommer bauen wir ein neues Dach! Doch weshalb erst jetzt, mag sich wohl so manch einer oder eine fragen. Dazu möchten wir euch heute eine kleine Geschichte erzählen, und der Leser bzw. die Leserin wird sich vielleicht über gewisse Formulierungen wundern – es wird uns Spanisch vorkommen, wie man so schön sagt; doch ganz so ist es nicht, wenn auch nahe dran… Immerhin Iberisch! Aber lasst uns mit der Aufklärung bis zum Schluss warten und nun mit der Erzählung beginnen:

 

Gleich nachdem wir mit Sack und Pack und Katzen nach Portugal gezogen waren, wollten wir unser Zuhause gemütlich machen und daher als erstes das alte Steinhaus renovieren. Sogleich machten wir uns auf die Suche nach jemandem, der schon viele Jahre Hühnchen gedreht (1) hat. Unsere englische Nachbarin konnte uns jemanden empfehlen, denn fähige Leute gibt es genug in dieser Gegend, wo Judas seine Stiefel verlor (2).
Der gute Mann war dann auch pünktlich zur Stelle und brachte sogar eine leckere Flasche Wein mit. Rückblickend ist klar, dass er damit versuchte, uns dazu zu bewegen, die Katze statt den Hasen zu kaufen (3). Damals waren wir jedoch sehr beeindruckt und guten Mutes – bis der Herr uns seine Offerte präsentierte. Viel zu hoch, unsere gesamten Ersparnisse wären für die Renovation draufgegangen! Diese Situation war sehr entmutigend und gab Manuel einen Moment Wasser durch den Bart (4), doch Andrea bemerkte schnell: Hier gibt’s Katze! (5)
Natürlich sind wir nicht auf das Angebot eingegangen, und etwas mit Olivenöl waren (6) wir schon deswegen. Doch unser neues Leben war noch jung und wir verbrachten nicht viel Zeit damit, über verschüttete Milch zu weinen (7). Bald schon durften wir uns über die Jurte freuen und den ersten Winter in diesem Luxuszelt verbringen. Eine Weile lebten wir im Schatten der Bananenstaude (8) und viele neue Eindrücke und Projekte machten uns zu hohlen Knoblauchknollen (9).
Oder vertauschen wir nun Knoblauch mit Orangen (10)? Gleichwohl, in Bezug auf eine ernsthafte Renovation des alten Hauses hatte eine Zeitlang die Katze unsere Zungen gefressen (11). Wir sind bescheidener und gleichsam glücklicher geworden, in der Einfachheit liegt die grösste Zufriedenheit. Die Hunde bellen und die Karavane zieht vorbei (12).

 

Soviel zu der Erklärung, warum es soweit kommen konnte, dass uns beinahe das Dach über dem Kopf zusammen kracht – eine etwas dramatische Redewendung, die hier aber bewusst als Überleitung verwendet wird, um auf das eigentliche Thema dieses Textes und somit auch die Auflösung der rätselhaften Sätze zu verweisen:
Es handelt sich um portugiesische Redewendungen, die in ihrer ganzen Kuriosität wortwörtlich ins Deutsche übersetzt wurden! Original und Bedeutung sind unten aufgelistet, als Schlüssel gewissermassen, den die Leserschaft dazu verwenden darf, den Text zum besseren Verständnis noch einmal zu lesen.

Auf geht’s, wer nichts wagt, bekommt kein Häppchen! (13)

 

1) Muitos anos a virar frangos
Viele Jahre Hühnchen gedreht
(viel Erfahrung)

2) Onde Judas perdeu as botas
Wo Judas seine Stiefel verlor
(ein abgelegener Ort)

3) Comprar gato por lebre
Die Katze statt des Hasen kaufen
(betrogen werden)

4) Água pela barba
Wasser durch den Bart
(verzweifelt)

5) Aqui há gato!
Hier gibt’s Katze!
(hier stimmt etwas nicht)

6) Estar com os azeites
Mit Olivenöl sein
(von etwas genervt sein)

7) Chorar sobre o leite derramado
Über verschüttete Milch weinen
(sich über etwas beklagen, was nicht geändert werden kann)

8) À sombra da bananeira
Im Schatten der Bananenstaude
(unbekümmert)

9) Cabeça de alho chocho
Hohle Knoblauch Knolle
(abgelenkt, vergesslich)

10) Trocar alhos por bugalhos
Knoblauch mit Orangen vertauschen
(Fakten bzw. eine Geschichte durcheinander bringen)

11) O gato comeu a língua
Die Katze hat die Zunge gefressen
(wenn jemand schweigt)

12) Os cães ladram e a caravana passa
Die Hunde bellen und die Karavane zieht vorbei
(fortfahren, egal was die Leute sagen)

13) Quem não arrisca, não petisca!
Wer nicht wagt, bekommt kein Häppchen
(wer nicht wagt, gewinnt nicht)

 

Zum Abschluss noch einige Eindrücke von unserem „Haupthaus“, von dem in diesem Text die Rede war:

Steinhaus

2 Kommentare

  1. Cristina Kuster meint: 6. März 2016

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