Archive for the ‘Neues von der Quinta’ Category

„Es sei euch gegeben“, sprach der Mensch – er könnte Manuel oder Andrea geheissen haben, was aber an sich nichts zur Sache tut – und entliess Rosie und Bertie in die Freiheit. Die beiden Hühnerdamen waren sehr zufrieden mit diesem Stücklein Freiheit, welches sich als ziemlich rechteckiges Fleckchen Natur heraus stellte; innerhalb eines orangefarbenen Zaunes, der ihnen ihre Grenzen gut sichtbar aufzeigte.

Innerhalb der Begrenzung gab es viel saftiges Gras, einige Büsche, die gut als Versteck dienen würden und auch ein heimeliges Häuschen aus Holz um darin vor Feinden geschützt die Nacht verbringen zu können.

„Schau her, Rosie“, rief die kleine Bertie ganz aufgeregt, „ sogar eine Stange zum darauf schlafen hängt hier!“

Das grössere Huhn quittierte die Bemerkung mit einem Nicken, doch ihre Aufmerksamkeit galt einer mit Stroh gefüllten Holzkiste, welche sich in einer dunklen Ecke des Stalles befand.

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Ein Morgen wie viele im Winter auf der Quinta das Figueiras: Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne durchbrechen die Abwärtsspirale der nächtlichen Temperaturen, die Taunässe oder der Frost verflüchtigen sich in der Luft und verwandeln sich fortschreitend in Nebel, der in mehr oder weniger dichten Schwaden gegen den blauen Himmel aufsteigt. Als bald trübt sich das Licht des Tages, dessen Beginn so klar und strahlend gewesen war. Doch nicht immer ist es das gleiche vorhersehbare Spiel der Natur; es ergibt sich hin und wieder, dass sich die Wolken an den Boden kauern, sich an die Kontur des Geländes schmiegen, und dabei sich in die tieferen Bereiche verkriechen als suchten sie Schutz vor einem unbekannten Feinde. Durch schicksalshafte Fügung ereignet es sich nun, dass die wogende Oberfläche des Nebel-Meeresspiegels quer durch unser bescheidenes Stück Land verläuft.

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Zwei. Neun. Fünf. Rot beleuchten die Ziffern der digitalen Waage das zögerliche Lächeln auf unseren Gesichtern. Zweihundertfünfundneunzig Kilogramm Oliven stapeln sich vor uns; verborgen in einem Berg aus Jutesäcken. Damit haben wir das Mindestgewicht gerade noch eben knapp angekratzt; fünf Kilo mehr oder weniger – so genau nimmt es hier niemand. Ein kontrollierender Blick unsererseits auf die Bestätigung ausdrückenden Gesichtszüge der „Frau von der Olivenpresse“ (mittlerweile hat sie auch einen Namen: Senhora Elisabete) enthüllt: Wir haben es geschafft!

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