Archive for the ‘Neues von der Quinta’ Category

„Wofür um alles in der Welt braucht ihr in Portugal einen strombetriebenen Dörrapparat?“ – In der Tat eine Frage, die nicht jeglicher Berechtigung entbehrt. Schliesslich gehören in unseren Gefilden längere Dürreperioden und grosse Hitze zur Standardausführung der Sommermonate. Auch die gegenwärtige Version des Winters bedient uns nur spärlich mit Regen; hingegen wird mit Kälte nicht gegeizt, weshalb der Autor des vorliegenden Textes etwas holprig und mit klammen Fingern über die Tastatur schlittert, während seine Gedankengänge immer wieder unterbrochen werden müssen um neues Holz in den Ofen zu schieben. Bevor wir also zu den Berichten über das scheinbar unnötige Gerät zurück kehren, bedienen wir die geneigte Leserschaft mit der hoffentlich nur inhaltlich und nicht stilistisch trockenen Materie bezüglich der aktuellen Wetterlage.

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Liebe Menschen, liebe lesebegeisterte Vierbeiner und liebe andere Geschöpfe, die ihr des Umgangs mit Buchstaben und Worten mächtig seid – ich möchte mich euch heute endlich mit meinem eigenen Namen vorstellen: Ich bin Mausa. Ihr kennt mich ja bereits aus dem ersten Teil meiner Autobiografie, in welchem ich von meinen drei Geburten berichtet hatte. Zwischenzeitlich sind die Wochen und Monate über das Land gezogen und mit ihnen ist auch nebst meiner Namensgebung eine Fülle von Ereignissen einher gegangen, von denen ich an dieser Stelle nur einige zu erzählen vermag. Doch eine Bemerkung vorweg sei mir erlaubt: Der zweite Teil meiner Geschichte ist zur Gänze frei von den düsteren Wolken meiner frühesten Vergangenheit.

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Lieber Herbst

Mit diesen Zeilen möchten wir dich offiziell bei uns Willkommen heissen. Du bist nun schon einige Zeit hier; hast dich eingeschlichen und klammheimlich die Tage verkürzt, das Licht etwas gedämpft und die Intensität der Farben der Welt erhöht. Vielleicht waren wir noch etwas zu erschöpft von den langen und heissen Sommermonaten, von deren Last du uns nun befreit hast; jedenfalls hatten wir deine Ankunft nicht gleich bemerkt. War es dein Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit, der dich dazu veranlasst hat, die grosse Bühne der Jahreszeiten schon dem Winter für ein kurzes Stelldichein zu überlassen? Nun, an diesem kalten Morgen des 8. November wandern die klammen Finger des Chronikschreibers über die Tasten um dir endlich die gebührenden Worte der Ehrerbietung zukommen zu lassen.

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Wir haben ja schon mehrfach über unsere Lieblingsnachbarn berichtet, die uns immer wieder reich beschenkt oder zum gemeinsamen Essen eingeladen haben. Vergangene Woche kam endlich der Tag, an dem wir uns revanchieren würden, denn Zé Sequeira – wie der Mann heisst – hatte uns gefragt, ob wir ihm bei der Weinlese helfen würden.

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Liebe Menschen, heute möchte ich euch meine Geschichte erzählen. Sie beginnt traurig, wenngleich auch viele der Geschehnisse aus meinen ersten Tagen auf dieser Welt für immer im Verborgenen bleiben werden. Meine Erinnerungen daran verbergen sich in einem düsteren Nebel, den zu beschreiten ich nicht gewillt bin.

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Aug 14

Hitzefrei

Mit diesen Zeilen melden wir uns zurück aus der Sommerpause – obschon der Sommer noch lange keine Pause macht. Seit der Winter uns endlich aus seinem langen, feucht-kalten Griff hat entkommen lassen, sind wir praktisch übergangslos vom Regenwetter in die Glutofenhitze eingetaucht, die sich nun schon seit zwei Monaten hinzieht und kein Ende zu nehmen scheint. Just in diesen Tagen sind wir einmal beinahe ausgeflippt, als sich ein paar Wölkchen am Himmel gezeigt haben, die sich sogar dreist vor die Sonne schoben und uns die sengende Bürde einige Minuten etwas leichter erträglich gemacht haben.

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Könnten wir in die Seele von Pflanzen sehen, was würde sie uns wohl offenbaren? Und sagt auch ihr Äusseres etwas aus über ihr Wesen und nicht nur über biologische Eigenschaften? Einige Spezies bewaffnen sich mit langen und spitzen Stacheln, als wollten sie uns inständig davon abhalten, uns ihnen zu nähern…

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Portugal und die Berge – ein Kapitel, welches vielen Leuten unbekannt ist. Wer sich unter dem kleinen Land ganz im Westen Europas überhaupt etwas anderes vorstellen kann als einen „separaten Teil von Spanien“, denkt wohl eher an die weissen Strände der Algarve oder die Surferparadiese der wilden Atlantikküste.

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Segensreich ist die Winterzeit, wenn der Regen fällt und die Wiesen verzaubert in farbenfrohe Leintücher, welche die von Sonne und Hitze ausgemergelte Erde sanft umschmeicheln. Totgelaubte Bäche auferstehen in ihren plätschernden Liedern und streben unablässig danach, das Leben in ein grünes, wogendes Meer der Erneuerung zu verwandeln. Dies, liebe Leser, ist eine sehr romantische Darstellung dieser „Zeit der Regeneration“ und nicht immer vermögen wir bei Kälte und Dauerregen den grauen Nebelschleier zu durchbrechen und unseren Blick auf das Positive zu lenken. Unser Mantra, dass der Regen ja schliesslich „das Beste für die Natur“ sei, bricht zwar nicht ab, doch allenthalben können wir einen zynischen Unterton nicht aussen vor lassen.

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„Es sei euch gegeben“, sprach der Mensch – er könnte Manuel oder Andrea geheissen haben, was aber an sich nichts zur Sache tut – und entliess Rosie und Bertie in die Freiheit. Die beiden Hühnerdamen waren sehr zufrieden mit diesem Stücklein Freiheit, welches sich als ziemlich rechteckiges Fleckchen Natur heraus stellte; innerhalb eines orangefarbenen Zaunes, der ihnen ihre Grenzen gut sichtbar aufzeigte.

Innerhalb der Begrenzung gab es viel saftiges Gras, einige Büsche, die gut als Versteck dienen würden und auch ein heimeliges Häuschen aus Holz um darin vor Feinden geschützt die Nacht verbringen zu können.

„Schau her, Rosie“, rief die kleine Bertie ganz aufgeregt, „ sogar eine Stange zum darauf schlafen hängt hier!“

Das grössere Huhn quittierte die Bemerkung mit einem Nicken, doch ihre Aufmerksamkeit galt einer mit Stroh gefüllten Holzkiste, welche sich in einer dunklen Ecke des Stalles befand.

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